Aktuelle Nummer 25 | 2019
08. Dezember 2019 bis 21. Dezember 2019

Jugend

Es kommt ein Schiff geladen

von Christiane Lubos

Noch stehen die glitzernden Christbäume und die hölzernen Krippen in unseren Häusern, noch klingen uns die Melodien von «Stille Nacht» und «Zu Betlehem geboren» in den Ohren, doch schon am dritten Tag nach dem Weihnachtsfest gedenkt die Liturgie am 28. Dezember des schrecklichen Kindermords in Betlehem. 

Der Streit unter den Bibelexperten über die historischen Ereignisse ist weniger wichtig als die symbolische Aussage, die der Text vermitteln will: Der Mord an den unschuldigen Kindern steht in engem Zusammenhang mit dem Kind in der Krippe. Auch Jesus, der Sohn Gottes, war bedroht, musste fliehen und in Ägypten mit seiner Familie Schutz suchen. Von damals bis heute wiederholt sich die Geschichte von Verfolgung, Flucht und Tod Unschuldiger unzählige Male. Und es scheint kein Ende zu nehmen, denken wir an die vielen Menschen, die Elend, Not und Krieg zu entfliehen versuchen. 

Lässt uns dabei das altbekannte Weihnachtslied «Es kommt ein Schiff geladen bis an sein höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden des Vaters ewigs Wort» nicht an die vielen Boote denken, die auch jetzt, mitten im Winter, das Mittelmeer durchqueren, randvoll – darunter viele Kinder? Der Kindermord von Bethlehem – der Kindermord in Syrien, in Afghanistan, im Irak … im Mittelmeer …?

Papst Franziskus stellt in seiner Botschaft zum Jahr 2017 die minderjährigen Migranten in den Mittelpunkt, besonders die, die alleine unterwegs sind. Denn sie sind dreifach schutzlos «weil sie minderjährig, weil sie fremd und weil sie wehrlos sind, wenn sie aus verschiedenen Gründen gezwungen sind, fern von ihrer Heimat und getrennt von der Liebe in der Familie zu leben.» Er schlägt dabei den Bogen von der Krippe zu jedem leidenden Kind.

Solidarität, Einsatz für Gerechtigkeit und Liebe sind der Weg, den uns das Kind in der Krippe, weisen will. Es ist «des Vaters ewigs Wort», wie es im Lied heisst, und es ist selber solidarisch mit den Notleidenden, ja, es identifiziert sich mit ihnen. So sagt Jesus: «Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat» (Evangelium nach Markus, 9,37).

Wir wünschen euch allen ein gutes neues Jahr voll Liebe, Glaube und Hoffnung, voll Kraft und Solidarität mit den Kleinsten dieser Welt.