Aktuelle Nummer 25 | 2019
08. Dezember 2019 bis 21. Dezember 2019

Schwerpunkt

Gold und Ruhm

von Kuno Schmid

Aus Anlass des Jubiläums 1000 Jahre Basler Münster zeigt das Historische Museum Basel die Ausstellung «Gold und Ruhm – Geschenke für die Ewigkeit». In der Ausstellung wird das «Hornbacher Sakramentar» aus dem Domschatz der St.-Ursen-Kathedrale Solothurn gezeigt, das ebenfalls über 1000 Jahre alt ist. Die Ausstellung ist Anlass für einen Blick zurück auf unsere Region in der Zeit um das Jahr 1000 n. Chr.

Am 11. Oktober 1019 wurde das neu erbaute Basler Münster als Bischofskirche im Beisein von Kaiser Heinrich II. (reg. 1002 – 1024) eingeweiht. Nach dem Erdbeben von 1356 wurde es in der heute erhaltenen Form wiederaufgebaut und diente bis 1529 als Kathedrale des Bistums Basel. 1828 wurde Solothurn Sitz des Bistums Basel, und die St.-Ursen-Kathedrale trat in die Nachfolge des Basler Münsters.  

Die Ausstellung in Basel
Es gilt als eine kleine Sensation, dass es dem Historischen Museum Basel gelungen ist, Teile des früheren Münsterschatzes und zahlreiche andere wertvolle Objekte aus dem frühen Mittelalter in Basel zusammenzuführen. Insbesondere die goldene Altartafel gilt als hervorragendes Beispiel frühmittelalterlicher Kunst. Die Goldtafel war das Weihegeschenk von Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde an die neu erbaute Basler Bischofskirche. An Festtagen wurde sie vor den Altar gestellt und leuchtete mit über fünf Kilogramm verarbeitetem Gold eindrücklich. Nach der Reformation 1529 wurde der Münsterschatz weggeschlossen. Bei der Teilung Basels in die Halbkantone Stadt und Land gelangte die Goldtafel nach Liestal. Um den Aufbau des Halbkantons Basel-Landschaft zu finanzieren, wurde der Münsterschatz 1836 versteigert, und die Goldtafel kam über mehrere Besitzer ins Musée Cluny in Paris. 

Aus religiöser Sicht noch bedeutsamer ist das Heinrichskreuz, eine weitere erhaltene Weihegabe von Heinrich II. Das Heinrichskreuz hat einen Blutstropfen Christi sowie eine Partikel des Kreuzes enthalten und war das religiöse Zentrum des Münsters. Mit der Reformation hat die Reliquienverehrung ihre Bedeutung verloren. Das Kreuz befindet sich heute im Kunstgewerbemuseum in Berlin in Berlin und wird ebenfalls in Basel ausgestellt. 

Wohltäter der Kirche 
Kaiser Heinrich II. und seine Frau ­Kunigunde gingen als grosse Wohltäter der Kirche in die Geschichte ein. Nicht nur in Basel, sondern auch in zahlreichen anderen Städten ermöglichten sie neue Kirchenbauten. Sie machten den Bischöfen und Klöstern reiche Geschenke und statteten sie mit Gütern und Herrschaftsrechten aus. Die Bischofstadt Bamberg stand besonders in ihrer Gunst, hier liessen sie sich bestatten. Mit der Förderung von Basel machte der Kaiser gleichzeitig seinen Herrschaftsanspruch über das Königreich Burgund deutlich. Seinem Nachfolger Konrad II. gelang es, 1033 Burgund an das Deutsche Reich anzuschliessen. Die Adeligen des Burgunderreiches empfingen den neuen Herrscher in der burgundischen Grenzstadt Solothurn und huldigten ihm.   Das Herrscherpaar wurde schon zu Lebzeiten für seine Frömmigkeit und Wohltätigkeit verehrt. Ihr Engagement hatte aber auch weitere Gründe. In der Auseinandersetzung mit den rivalisierenden Adeligen des Landes konnte sich Heinrich dadurch auf die kirchlichen Würdenträger verlassen. Weil schon früh klar war, dass das Kaiserpaar kinderlos blieb und keine eigenen Nachkommen für ihr Begräbnis und ihr Gedächtnis sorgten, vertrauten sie sich ganz der Kirche an. Heinrich und Kunigunde wurden nach ihrem Tod als einziges deutsches Kaiserpaar von der Kirche heiliggesprochen. Basel erhob sie zu Patronen des damaligen Bistums Basel. Die Weihegeschenke und Reliquien der beiden Heiligen bildeten bis zur Reformation das spirituelle Zentrum von Basel. 

Stiftungen für ein ewiges Leben
«Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.» (Mk 10,25). Dieses Jesuswort hat die Mächtigen des Mittelalters beunruhigt. Um nicht vom ewigen Heil ausgeschlossen zu werden, stifteten sie einen Teil ihrer Güter an Klöster und Kirchen und wurden von diesen über den Tod hinaus ins Gebet eingeschlossen. Die Errichtung und Beschenkung des Basler Münsters ist ein Beispiel dafür. Auch in Solothurn entstand bereits im 8. Jahrhundert das St.-Ursen-Stift, eine klösterliche Gemeinschaft über den Gräbern der frühchristlichen Märtyrer, als Stiftung burgundischer Könige. Im Jahre 932 liess die burgundische Königswitwe Bertha eine neue Kirche, das Münster St. Ursen, bauen. Nicht nur Landgüter und Sakralgegenstände galten damals als wertvolle Stiftungen, sondern auch Bücher wurden den Kirchen geschenkt. Weil es noch keinen Buchdruck gab, wurden Kirchenbücher von Schreibern, meist in klösterlichen Schreibstuben, von Hand abgeschrieben. Das war eine aufwendige, monatelange Arbeit. Die Werke wurden oft bebildert und reich verziert. Die Kirchen brauchten, ähnlich wie heute, drei Arten von Büchern für die Feier des Gottesdienstes. An erster Stelle standen die Bücher mit den biblischen Texten, aus denen die Lesungen vorgetragen wurden (z. B. das Evangeliar). Verschiedene Arten von Gesangsbüchern wurden für den Lobpreis gebraucht (z. B. das Graduale). Die dritte Art war das Sakramentar, in dem die Gebete des Priesters für die verschiedenen Gottes­dienste gesammelt waren (ähnlich dem Messbuch). 

Das Hornbacher Sakramentar
Ein solches Sakramentar konnte der Domschatz St. Ursen für die Basler Ausstellung zur Verfügung stellen. Das sogenannte Hornbacher Sakramentar wurde ungefähr im Jahr 983 von einem Schreiber namens Eburnant geschrieben und gestaltet. In einer Buchmalerei stellt er dar, wie er das Werk seinem Auftraggeber übergibt. Er schreibt die Bitte dazu, dass ihm als Schreiber der himmlische Lohn ebenso zuteilwerden möge, wie dem Stifter. Der Empfänger ist Adalbert, der Abt des Klosters Hornbach in der Pfalz (reg. 972 – 993). Auf dem folgenden Bild widmet der Abt das Buch dem Heiligen ­Pirmin, der das Kloster Hornbach im 8. Jahrhundert gegründet hat. Pirmin übergibt es auf der nächsten Seite dem Patron des Klosters, dem Apostel Petrus. Dieser trägt das Buch und die Fürbitte für Stifter und Schreiber auf dem vierten Bild zu Christus. Die Bildfolge illustriert das Vertrauen der Stifter auf die Fürsprache der Klöster und Heiligen sowie die gläubige Hoffnung, dadurch in die himmlische Gemeinschaft mit Christus aufgenommen zu werden. 

Das Hornbacher Sakramentar besteht aus insgesamt 230 Seiten, die gebunden und mit jeweils 18 Zeilen beschriftet sind (karolingische Minuskeln). Die Anfangsbuchstaben sind schön verziert. Nach einem Kalendarium und den Widmungsbildern folgen Präfation und Hochgebet der Messe sowie die wechselnden Texte für die verschiedenen Gottesdienste im Kirchenjahr. Die Texte entsprechen der fränkisch-römischen Liturgiereform, die das Ziel hatte, anstelle der regionalen Varianten eine einheitliche Form der Eucharistiefeier zu fördern. Das Hornbacher Sakramentar gelangte auf unbekannten Wegen ins St.-Ursen-Stift Solothurn und wurde bereits 1439 in einem Verzeichnis der Stiftsbibliothek erwähnt. Die Ausstellung der Handschrift in Basel macht deutlich, welch wertvolles Kulturerbe im Archiv des Solothurner Domschatzes aufbewahrt wird.    

 

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Der Anfang des Hochgebetes: Te igitur, clementissime pater / Dich, gütiger Vater… Hornbacher Sakramentar, Seite 14v.

Ausstellung

 

Gold + Ruhm – Geschenke für die Ewigkeit
11. Oktober 2019 – 19. Januar 2020
Im Neubau des Kunstmuseums Basel

www.hmb.ch

 

Domschatz der St.-Ursen-Kathedrale 
Kustodin Kathrin Kocher

Besichtigung der Schatzkammer und Paramentenraum nach Vereinbarung Domschatzführer Markus von Arx, m.vonarx60@bluewin.ch