Aktuelle Nummer 05 | 2020
01. März 2020 bis 14. März 2020

Jugend

«Ich will nicht nur eine Sch-Sch-Sch-Grossmutter sein!»

von Daniele Supino

Ursula Sinniger lebt mit ihrem Ehemann Ernst in Solothurn. Die langjährige Primar- und Musiklehrerin ist jetzt dreifache Grossmutter. Sie wanderte, schwamm und fuhr Velo fürs Leben gerne. Sie war Präsidentin des Vereins Betu Abue, sie engagiert sich in der Kirche, sie musiziert und liest; jetzt sind die sportlichen Tätigkeiten weitgehend weggefallen.

Frau Sinniger, was für ein Verhältnis haben Sie zu Ihren Enkelkindern?
Ein herzliches! Zwei Enkel wohnen gerade in der Wohnung unter uns, und sie kommen häufig spontan hinauf zum Spielen. Mit der Enkelin, die weiter weg wohnt, telefoniere ich oft.

Was bedeutet es für Sie, Enkel zu haben?
Sie sind eine riesige Bereicherung!

Was zeichnet gute Grosseltern aus?
Gerade darüber habe ich kürzlich mit einigen Freundinnen gesprochen. Und wir waren uns darin einig, dass Grosseltern Liebe und Geborgenheit geben und dabei die Regeln der Eltern weitgehend einhalten sollen. Sie sollen den Enkeln Geschichten erzählen, mit ihnen spielen und basteln, und dabei cool bleiben, also auch in Kauf nehmen, dass die Wohnung nach dem Besuch nicht mehr so ordentlich aussieht wie vorher …

Erzählen Sie auch religiöse Geschichten?
Ja, gerade jetzt in der Weihnachtszeit. Meine religiöse Haltung fliesst auch in die selbsterfundene Geschichte vom «Graueli» ein, einem Esel, der besondere Abenteuer erlebt. Einmal fiel das «Graueli» in einen Bach und konnte sich nicht aus dem Wasser retten. Bis es auf wundersame Weise gerettet wurde, nämlich von Engeln. Unsere Enkel lieben das «Graueli».

Fühlen Sie sich als Grossmutter als moralische Instanz der Familie?
Jein, aufgrund meines Alters stehe ich an einem ganz anderen Ort als die Eltern. Ich kann ganz für die Enkel da sein. Meine eigene Mutter ist mir dabei Vorbild. Wenn meine Töchter mit einer Sorge zu ihr gingen, war das für mich eine grosse Entlastung (sofern ich davon wusste), denn es war klar, dass sie bei ihr in guten Händen waren. Deswegen habe ich auch fest vor, für meine Enkel ein sicherer Hafen zu sein. Ich will nicht nur eine Sch-Sch-Sch-Grossmutter sein, eine Grossmutter, die schafft, schenkt und schweigt, sondern mich einbringen. Ebenso klar ist für mich, dass ich loyal zu den Eltern bin. Ich würde mich nie in innerfamiliäre Probleme oder Erziehungsfragen einmischen, ausser das Kind leidet unter dieser Situation. Dann würde ich sogar eine Auseinandersetzung mit den Töchtern in Kauf nehmen.

Was wünschen Sie den Kindern und Jugendlichen aufs neue Jahr?
Ich wünsche von Herzen, dass alle in einer friedlichen Umgebung aufwachsen und wohnen dürfen. Dabei denke ich an die Kinder in Kriegs- und Migrationsgebieten. Meinen Enkeln und allen Kindern, die in Frieden leben, wünsche ich, dass sie dieses Glück realisieren und mit einer gewissen Demut dankbar annehmen.