Aktuelle Nummer 24 | 2022
20. November 2022 bis 03. Dezember 2022

Schwerpunkt

Gut beraten

von Monika Poltera-von Arb

Seit über 50 Jahren gibt es im Bistum Basel die Diözesanen Räte. Ihre Arbeit geschieht oft im ­Hintergrund und wird von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Sie ist dadurch aber nicht weniger wichtig, denn die Meinungen und Stimmen aus dem Rat fliessen in Entscheide des Bischofs ein, und umgekehrt hören die Mitglieder der Räte die Anliegen der Bistumsleitung.

Theologinnen und Theologen, Diakone und Priester aus allen Teilen des Bistums Basel sitzen angeregt diskutierend beim Mittagessen. Intensiv werden Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht. Es ist Mittagspause in der Propstei Wislikofen, einem Bildungshaus im Kanton Aargau, an einem Mittwoch Ende Oktober. Zum dritten Mal in diesem Jahr treffen sich der Priesterrat und der Rat der Diakone, Theologinnen und Theologen zu ihrer Sitzung an einem Tagungsort. Sie beraten pastorale Themen und schauen zurück auf die zu Ende gehende Amtsperiode. 

Mitdenken und Mitwirken
Wohin bewegt sich die Kirche heute? Wie entwickelt sich die Pastoral weiter angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und Herausforderungen? Welche Leitplanken braucht es und wie viel Spielraum darf es sein? Das sind komplexe Fragen, welche die Verantwortlichen der Schweizer Bistümer, genauso wie die Seelsorgenden, beschäftigen. Es ist wichtig, dass in den Entwicklungsprozessen der Kirche verschiedene Meinungen und Stimmen angehört werden. Ein wertvoller Beitrag dazu leisten im Bistum Basel die Diözesanen Räte. Josef Stübi, Pfarrer im Pastoralraum Aargauer Limmattal und Mitglied des Präsidiums der Räte, beschreibt es so: «Hier haben wir die Möglichkeit, Entscheidungen zu beeinflussen, an Entscheidungsfindungen mitzuwirken. Dies ist für mich ein wesentlicher Motivationsfaktor, mich zur Mitwirkung in solchen Gremien bereit zu erklären.» 

Breite Zusammensetzung
Die Mitglieder des Priesterrates und des Rates der Diakone, Theologinnen und Theologen werden vom Kirchenpersonal gewählt. Das heisst: Die aktiv in der Seelsorge Tätigen können innerhalb der drei Bistumsregionen aus ihren Kreisen (Priester bzw. Diakone, Theologen und Theologinnen) Vertreterinnen und Vertreter für den jeweiligen Rat nominieren und wählen. Im Rat vertreten sind auch die Ordensgemeinschaften und die anderssprachigen Missionen. Das Ergebnis ist eine Zusammensetzung von unterschiedlichen Persönlichkeiten, welche in verschiedenen Bereichen der Seelsorge tätig sind. Die Wahlen für die Amtsperiode von 2023 bis 2027 fanden diesen Herbst statt.

Dem Bischof zur Seite
Der Priesterrat und der Diözesane Seelsorgerat sind im Bistum Basel im Geiste des 2. Vatikanischen Konzils (1962–65) entstanden. Diese beiden Gremien feierten 2017 ihr 50-jähriges Bestehen. Anders als der Priesterrat besteht der Diözesane Seelsorgerat aus kirchlich engagierten Laien. 1988 kam der Rat der Diakone, Theologen und Theologinnen hinzu. Alle drei Räte wirken als Beratungsgremien auf der Ebene des Bistums. 

Brennend aktuell
Der Priesterrat tagt zusammen mit dem Rat der Diakone, Theologen und Theologinnen. Die Inhalte der Sitzungen ergeben sich aus Anliegen und Anfragen, welche die Seelsorgenden einbringen, sowie aus Themen, die das bischöfliche Ordinariat einbringt. Das Themenspektrum bewegt sich von Personal über Pastoral bis hin zu administrativen Aufgaben der Kirche. Im Bereich Personal wurde während dieser Amtsperiode zum Beispiel die Arbeitsbelastung in der Seelsorge, das Berufsprofil von Seelsorgenden oder das Angebot lernbedarfsorientierter Weiterbildung thematisiert. Pastorale Frage­stellungen und Entwicklungen, etwa im Nachgang zur Covid-19-Pandemie oder pastorale bzw. strukturelle Veränderungen im Zusammenhang mit der Errichtung von Pastoralräumen, bildeten weitere Beratungsschwerpunkte. Der Rat wirkte im sy­nodalen Prozess und an der synodalen ­Versammlung in Basel mit. In administrativ-rechtlichen Fragen konsultierte der ­Bischof den Rat, beispielsweise bei Fragen betreffend Umnutzung von Kirchen (Profanisierung) und ­Neuumschreibungen oder Zusammenführungen von Pfarreien.
 

Offener und synodaler Geist
Die Arbeit im Rat ist konstruktiv und inte­ressant, es herrscht eine offene Atmosphäre. «Ich spüre eine grosse Verantwortung, auf die Stimme Gottes in mir zu hören. Das bedeutet, dass ich den anderen Mitgliedern des Rates aufmerksam zuzuhören versuche und nur dann das Wort ergreife, wenn ich wahrnehme, dass der Geist Gottes mich drängt, etwas zu sagen. Das braucht nicht selten auch etwas Mut. Insofern war diese Tätigkeit für mich höchst anspruchsvoll. Dazu kam, dass meine Offenheit herausgefordert war, wenn eine andere Person eine völlig andere Perspektive vertritt. Das aber ist Teil des synodalen Prozesses, den wir als Kirche zu gehen berufen sind. Kein Spaziergang. Oft durfte ich erfahren, dass auch andere in diesem Rat ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das hat mir gutgetan!», so äussert sich Mario Hübscher, leitender Priester im Pastoralraum Olten. «Es ist ein Ort des offenen Wortes und des gegenseitigen Aufeinanderhörens. Jede und jeder kann seine Meinung sagen. Die Meinung der Räte ist gefragt und wird von Bischof und Bistumsleitung gehört. Das spielt umgekehrt auch. Die Räte schenken Gehör und Raum auch den Anliegen, Sorgen und Freuden von Bischof und Bistumsleitung», ergänzt Josef Stübi. 

Brücken bauen
In den Räten wird ein synodaler Weg beschritten. Begegnung und Austausch geschehen beileibe nicht nur während den offiziellen Sitzungen. Die Pausen werden aktiv genutzt und es entstehen wertvolle Vernetzungen unter den Seelsorgenden. Für den Bischof ist es unabdingbar, den «Puls» der Seelsorgenden und der Gläubigen zu fühlen. Umgekehrt liegt es auch bei den in den Ortskirchen Aktiven, die Per­spektiven und Überlegungen der Bistumsleitung zu sehen und zu verstehen. Die Ratsmitglieder sind Brückenbauerinnen und Brückenbauer. 

«Ich habe im Rat eine sehr gute Erfahrung gemacht. Das Gremium ist sehr interessant und wichtig im Sinne der Partizipation. Zusammen schauen wir in die Zukunft, entwickeln Zukunftsvisionen. Ich fühle mich durch die Mitarbeit im Rat noch mehr Teil von unserem Bistum und kann die Perspektive der anderssprachigen Missionen einbringen. Gleichzeitig bekomme ich etwas von den anderen, aus ihrem je eigenen Hintergrund, sei es von jemandem aus der Stadt, vom Land, aus der Pfarreiseelsorge oder der Bistumsleitung. Jeder bringt etwas ein für diesen Weg», meint Antonio Grasso, Scala­brini-Missionar und Verantwortlicher für die italienischsprachige Mission in Bern.

In die Zukunft gehen
Aktuelle kirchliche und gesellschaftliche Themen sind: Personalmangel, Ämterfrage, Berufsbild und Ausbildungswege, Arbeit mit Freiwilligen, Klima und Ökologie – der Stoff für künftige Ratssitzungen wird uns also nicht ausgehen. Die Arbeit der Diözesanen Räte zeigt, dass Mitwirkung und Vernetzung im Bistum Basel gepflegt und gefördert werden kann. Das geschieht unaufgeregt und eher im Hintergrund, aber der Sache dienend und wertschätzend.  

Monika Poltera-von Arb studierte in Luzern und Freiburg i.Br. röm.-kath. Theologie mit Kirchenmusik im Nebenfach. Die zweifache Mutter ist als Pfarreiseelsorgerin in Niederbuchsiten tätig. Seit 2017 ist sie Mitglied des Rates der Diakone, Theologen und Theologinnen. Sie wirkt auch im Redaktions-Team des «Kirchenblatts» mit.

«Hier haben wir die ­Möglichkeit, Entscheidungen zu beeinflussen, an ­Entscheidungsfindungen mitzuwirken.»

Josef Stübi, Baden


«Die Arbeit im Rat ist ­anspruchsvoll und heraus­fordernd.»

Mario Hübscher, Olten


«Die Meinung der Räte ist ­gefragt und wird von Bischof und Bistumsleitung gehört.»

Josef Stübi, Baden


«Ich fühle mich durch die Mitarbeit im Rat noch mehr Teil von unserem Bistum und kann die Perspektive der anderssprachigen Missionen einbringen.»

Antonio Grasso, Bern