Aktuelle Nummer 19 | 2026
06. September 2026 bis 19. September 2026

Jugend

Sprache als Schlüssel zur Integration – ein Einblick in Laras Engagement

Julia Gurtner 

Lara Sleiter ist 19 Jahre alt und stammt aus Solothurn. Im Sommer hat sie erfolgreich ihre Matura abgeschlossen und steht nun in einem Zwischenjahr. In ihrer Freizeit treibt sie gerne Sport, sei es beim Joggen oder im Gym. Ausserdem verbringt sie viel Zeit mit ihren Freundinnen und Freunden. Seit letztem Herbst engagiert sie sich zudem als Co-Leiterin eines Deutschkurses, den sie mit grosser Freude mitgestaltet.

Lara, wie bist du dazu gekommen, freiwillig Deutschunterricht zu geben? 
Auf den Deutschkurs aufmerksam geworden bin ich durch Natalie Benelli, die der Kantonsschule einen Besuch abstattete und ihre Organisation «Neue Presse» vorstellte. Sie erzählte von den verschiedenen Möglichkeiten, sich zu engagieren, etwa beim Schreiben von Texten, Recherchieren oder in der Kursleitung. Mich hat besonders der Deutschkurs angesprochen, weil Sprache für mich ein zentraler Schlüssel zur Inte­gration ist. Deshalb wollte ich mich dort engagieren.

Wie sieht eine «typische» Deutschstunde bei dir aus? 
Vor jeder Lektion besprechen wir als Leitende kurz den Ablauf. Meist arbeiten wir in zwei Gruppen: einer für Fortgeschrittene und einer für Anfängerinnen und Anfänger. Während Natalie oder Matthias die Fortgeschrittenen unterrichten, betreue ich meist die Anfängergruppe. Oft bereite ich den Unterricht bereits zu Hause mit passenden Übungen vor. Wir starten mit einer einfachen Einstiegsaufgabe, um das Niveau der Teilnehmenden einzuschätzen, und passen den Unterricht danach flexibel an. Dabei arbeite ich viel mit Bildern, kurzen Texten sowie Lese- und Schreibübungen.

Was sind die grössten Herausforderungen für Kinder und Erwachsene beim Deutschlernen? 
Die grösste Herausforderung ist herauszufinden, ob die Teilnehmenden den Inhalt wirklich verstanden haben. Besonders bei Anfängerinnen und Anfängern ist das nicht immer einfach, da sie häufig das Gesagte nur wiederholen. Gleichzeitig ist es wichtig, das richtige Lerntempo zu finden und den Unterricht so zu gestalten, dass alle gut folgen können. 

Was gefällt dir am besten an der Aufgabe und was konntest du selber lernen? 
Ich habe durch diese Aufgabe vor allem im zwischenmenschlichen Bereich viel gelernt. Die meisten Teilnehmenden sind Frauen, und durch den Kontakt mit ihnen habe ich gemerkt, dass man oft unbewusste Vorurteile gegenüber Migrantinnen und Migranten hat. Diese Erfahrung hat meine Sichtweise sehr geprägt. Besonders beeindruckt mich ihre Motivation, Deutsch zu lernen, um sich im Alltag zurechtfinden und sich in der Schweiz einzuleben. Zu sehen, mit wie viel Einsatz sie dabei sind, freut und motiviert mich jedes Mal aufs Neue. 

Würdest du anderen empfehlen, eine ähnliche Erfahrung zu machen? 
Auf jeden Fall. Freiwilliges Engagement zeigt, dass auch ein kleiner Beitrag für einzelne Menschen einen grossen Unterschied machen kann. Gleichzeitig lernt man selbst sehr viel dazu. Viele unserer Teilnehmenden stammen aus Eritrea oder Somalia. Durch die Gespräche über ihre Heimat, ihre Kultur und ihren Alltag konnte auch ich meinen eigenen Horizont erweitern.