Aktuelle Nummer 26 | 2025
14. Dezember 2025 bis 27. Dezember 2025

Schwerpunkt

Pilgern vor der Haustüre

von Reto Stampfli

Möglichst viele Gläubige sollen in diesem Jahr die Gelegenheit haben, das Heilige Jahr auch ohne Wallfahrt nach Rom zu begehen. Aus diesem Grund hat das Bistum Basel eine Reihe von Kirchen – zusätzlich zur St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn – bestimmt, wo das Heilige Jahr dezentral begangen und lokal gepilgert werden kann.  

Papst Franziskus hat das Heilige Jahr 2025 unter das Leitmotiv «Pilger der Hoffnung» gestellt. Zu diesem Anlass sind alle Gläubigen eingeladen, in die Ewige Stadt zu reisen und in Rom dieses besondere Jubiläumsjahr zu feiern. Wer nicht in den Süden reisen kann oder will, dem bietet sich eine lokale Alternative: Im Bistum Basel wurden elf Kirchen als Pilgerkirchen bestimmt, die in diesem besonderen Jahr zu einem Besuch einladen – je eine Kirche in jedem Bistumskanton. Diese heiligen Orte schenken Raum, innezuhalten, aufzubrechen und Hoffnung in der Stille oder in der Gemeinschaft neu zu entdecken.

Mehr als eine Wanderung
Als gläubige Menschen sind wir eingeladen, uns im Jubiläumsjahr 2025 als «Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung» auf den Weg zu machen. Diese Pilgerschaft hat nicht nur einen äusseren, sondern auch einen inneren, geistlichen Charakter. Das Pilgern ist mehr als nur eine Wanderung – es ist eine besondere Form des Unterwegsseins, die körperliche Bewegung mit spiritueller, religiöser oder persönlicher Suche verbindet. Pilgern hat oft ein religiöses Ziel, etwa Santiago de Compostela, Rom, Mekka oder Lourdes. Viele Pilgernde sehen den Weg als eine Form der Annäherung an Gott, der Selbstfindung oder der Busse. Anders als bei einer normalen Reise steht nicht (nur) der Zielort im Mittelpunkt, sondern der Weg selbst. Pilgern bedeutet oft, langsam zu gehen, achtsam zu sein und den Moment wahrzunehmen. Man reist meist mit leichtem Gepäck und einfachen Mitteln. Der bewusste Verzicht auf Komfort schafft Raum für innere Ruhe und Reflexion. Die Einfachheit hilft, sich auf das Wesentliche zu besinnen. 

Pilgern im Bistum
Im Bistum Basel laden elf ausgewählte Kirchen als Heilig-Jahr-Pilgerkirchen dazu ein, Hoffnung aus dem gemeinsamen Unterwegssein zu schöpfen. Der Pilgerführer des Bistums Basel informiert und begleitet Interessierte auf ihrem Pilgerweg der Hoffnung zu den Gnadenorten. Nachfolgend eine Auswahl an lokalen Pilgerreisen. Der offizielle Pilgerführer, der gedruckt oder als Datei bezogen werden kann (siehe Kasten am Ende des Textes), liefert detaillierte Hinweise zur Anreise und die genaue Route samt Sehenswürdigkeiten und den ÖV-Möglichkeiten. 

Baden in Baden
Im ältesten Teil der Stadt Baden, im Bäderquartier, steht die Dreikönigskapelle, direkt gegenüber dem von Mario Botta entworfenen und in den Jahren 2018 bis 2021 gebauten modernen Thermalbad «Fortyseven». Die Kapelle, welche heute in erster Linie von der Petrusbruderschaft genutzt wird, bildet den Startpunkt für einen kurzen Pilgerweg durch das Bäderquartier, an die sogenannte «Limmatquelle», der grössten der Badener Thermalquellen, der Limmat entlang zur gedeckten Holzbrücke aus dem Jahr 1837 und via unterer Altstadt (untere Halde) hoch zur Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt. Man pilgert so von der Quelle gegen den Strom zur (anderen) Quelle. Der Weg ist rollstuhlgängig, führt allerdings in einem kurzen Abschnitt über Naturstrassen (ca. 500 Meter) und ist zum Schluss relativ steil. Verschiedene interessante Punkte auf diesem Weg laden ein, innezuhalten und den Weg für sich persönlich zu einem Pilgerweg werden zu lassen. Weitere Informationen gibt es via Barcode im Schaukasten bei der Dreikönigskapelle, auf einem Infoblatt, welches in der Dreikönigskapelle aufliegt und mitgenommen werden kann, oder über die Website der Pfarrei Baden. 

Ökumene in Bern
Ein Rundweg zu Fuss oder mit dem ÖV kann ökumenische Lebensorte in Bern mit der Dreifaltigkeitskirche verbinden. Von der Dreifaltigkeitskirche führt die Reise zum Stadtkloster Frieden: ein Ort, wo Leben, Glauben und Arbeiten zusammenkommen. Ein Ort des Verweilens und der Entschleunigung. Im Stadtkloster Frieden treffen sich Menschen mit ­unterschiedlichen Hintergründen und Geschichten (8 bis 17 Uhr geöffnet, Parkanlage ganztags). Vom Stadtkloster Frieden geht es weiter zu den Kapellen und Andachtsorten im Inselspital: Die röm.-kath. Elisabethenkapelle (gegenüber dem INO-Gebäude, geöffnet rund um die Uhr), die reformierte Inselkapelle (zwischen INO- und Wirtschaftsgebäude, geöffnet 9 bis 21 Uhr), der Raum der Stille (im Erdgeschoss des Wilhelm-Fabry-Hauses) und der Ort des Dankes im Inselpark (Nähe Inselheim und Anna-Seiler-Haus) können als Ort des Gebetes und der Stille besucht werden. Das Inselspital ist vom Stadtkloster Frieden aus zu Fuss in zwölf Minuten erreichbar. In der Nähe des Inselspitals kann man im «DOCK8» einkehren. Ein ganz normales Restaurant, und doch nicht ganz. Herzstück ist ein Gastronomiebetrieb ohne Konsumzwang. Das «DOCK8» versteht sich als Lokal, an dem Menschen andocken, ankern, teilhaben und geniessen können. Bei Bedarf stehen Ratsuchenden die Sozialarbeitenden des Beratungs- und Präsenzdiensts von «Wohnenbern» zur Verfügung. Es ist ein Kooperationsprojekt des Vereins Wohnenbern, der katholischen Kirche Region Bern und der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Frieden in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft Warmbächli Bern und der Infrastrukturgenossenschaft Holliger. 

Ins schöne Luzernerland
Beromünster ist seit über 1000 Jahren ein wichtiges, christliches Zentrum in der Schweiz. Menschen aus allen Teilen des Landes und darüber hinaus besuchen das Chorherrenstift und erfreuen und erbauen sich an diesem herrlichen Ort. Die Chorherren sind im täglichen Gebet und in der Feier der Heiligen Messe mit den Pilgern, Besuchern und Wohltätern verbunden und empfehlen sie insbesondere dem Erzengel Michael. Bekannt ist der Umritt an Christi Himmelfahrt, der jeweils mit Andacht und Darstellung der Himmelfahrt Jesu in der Stiftskirche endet. Der Pilgerweg beginnt bei der Wallfahrtskapelle Maria Mitleiden in Gormund, führt durch eine sanfte Hügellandschaft und endet bei der Stiftskirche St. Michael in Beromünster. Die genaue Route und nützliche Angaben findet man auf der Homepage des Stifts: (www.stiftberomuenster.ch) oder im Pilgerführer. 

Rund um Muttenz
Als Pilgerweg in Muttenz bietet sich der «Weg der Hoffnung» an, ein Weg mit sechs Stationen, der zum Jahr 2000 von den christlichen Kirchen in Muttenz realisiert wurde. Das Dorfzentrum als Ausgangspunkt (Haltestelle «Muttenz, Mittenza») ist vom Bahnhof Muttenz mit dem Bus 60 zu erreichen, von der Tramhaltestelle «Muttenz, Dorf» auch zu Fuss in wenigen Minuten. Ein Fussweg von einer halben Stunde führt die Pilger von der reformierten Kirche St. Arbogast an den sechs Stationen des «Weges der Hoffnung» entlang auf den Wartenberg, von wo aus man einen schönen Blick auf Muttenz und Umgebung geniessen kann. Von dort gelangt man, wieder via Dorfzentrum, der Hauptstrasse und der Tramstrasse folgend zur Kirche Hl. Johannes Maria Vianney. Die von aussen eher nüchtern wirkende Kirche ist auf jeden Fall einen Besuch wert, da sie einige erstaunliche Kunstwerke birgt. Für die ganze Wegstrecke benötigt man etwas mehr als eine Stunde. Von Dienstag bis Freitag wird in der Kirche jeweils um 9.30 Uhr Eucharistie gefeiert. 

Die Kapelle in der Höhle
Das Herzstück und das Ziel der schweizweit bekannten Mariasteiner Wallfahrt ist die Gnadenkapelle. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Felsenhöhle zu einer stimmungsvollen Kapelle ausgebaut, die man über eine in den Felsen gehauene Treppe mit 59 Stufen erreicht. Die eigentliche Pilgerroute beginnt bei der Tram-Endstation Rodersdorf (Tram Nr. 10) und führt über Wald- und Forstwege (rund 3,5 Kilometer) hoch zur Basilika von Mariastein. 

Abschlussgottesdienst
Papst Franziskus hat entschieden, dass das Jubiläumsjahr am 28. Dezember 2025, dem Fest der Heiligen Familie, feierlich abgeschlossen wird. Im Bistum Basel findet der feierliche Abschluss des Jubiläumsjahrs mit einer Eucharistiefeier statt, die um 10 Uhr in der Kathedrale St. Urs und Viktor in Solothurn vom Diözesanbischof Felix Gmür geleitet wird.  

Weitere Hinweise zum Heiligen Jahr im Bistum und den vollständigen Pilger­führer finden Sie auf der Bistumshomepage unter www.bistum-basel.ch/heiliges-jahr-2025.