Aktuelle Nummer 16 | 17 | 2018
22. Juli 2018 bis 18. August 2018

Schwerpunkt

Caritas Kanton Solothurn

von Kuno Schmid

Mit dem Caritasforum unter dem Titel «Wird jetzt bei den Schwächsten gespart?» stiess die Caritas die öffentliche Diskussion um die Sozialhilfe im Kanton Solothurn an und legte den Finger auf wunde Punkte. Das sozialpolitische Engagement ergänzt die konkrete diakonische Arbeit, die durch professionelle und freiwillige Caritasmitarbeitende täglich geleistet wird. Beides gehört zum Auftrag und Selbstverständnis der Caritas Solothurn.  

Das Caritasforum
Am 8. März 2018 diskutierten Fachleute unter der Leitung von Thomas Steiner, Präsident Caritas Solothurn, über die Sozialhilfe im Kanton Solothurn. Über siebzig Interessierte folgten der Einladung in die Jugendherberge. An der Podiumsdiskussion nahmen Thomas Blum, Einwohnergemeindeverband, Kurt Boner, Soziale Dienste Oberer Leberberg, Urs Trösch, Pro Infirmis und Regula Kuhn-Somm, Geschäftsleiterin Caritas Solothurn teil. Dabei wurde klar, dass die Sozialen Dienste der Gemeinden und Sozialregionen mit dem gesetzlichen «Pflichtprogramm» im Rahmen von rund 100 Millionen Franken voll ausgelastet seien. Für niederschwellige Beratung, Integration und Prävention bleiben da keine Ressourcen. Diese Arbeit leisten Hilfswerke wie die Caritas, Pro Infirmis und andere. Der Einwohnergemeindeverband wollte dieses Engagement der Hilfswerke mit einem freiwilligen Beitrag von 5 Franken pro Einwohner unterstützen. Zustandegekommen sind nur 1.50 Franken, und selbst bei diesem kleineren Beitrag machen nur zwei Drittel der Gemeinden mit. Bei aller Wertschätzung für die Hilfswerke und deren kooperative und ergänzende Arbeit bleibt nur wenig zu verteilen. 

Kirchliche Regionale Sozialberatung
Die Diskussion am Caritasforum wurde immer wieder untermalt durch die Einspielung von konkreten Beispielen aus der Sozialberatung der Caritas in der Region Solothurn. Die beiden Sozialberater Remy Studer und Gian Spörri haben 2017 in Grenchen und Solothurn rund 150 Kurzberatungen durchgeführt und über 120 Dossiers für rund 300 Personen geführt. Dabei ging es um soziale und rechtliche Fragen. Zwei spezifische Probleme wurden zu eigenen Projekten gefasst: Zum einen helfen Mietzinskautionen eine prekäre Lebenssituation und ein weiteres Abgleiten in die Armut abzuwenden. Zum anderen wird in Solothurn und bald auch in Subingen und Deitingen eine administrative Unterstützung angeboten. Dabei sind Freiwillige im Rahmen einer offenen Sprechstunde beim Ausfüllen von Formularen, beim Lesen und Schreiben von Briefen oder beim Telefonieren behilflich. Zudem wurde im Rahmen der Sozialberatung auch ein sozialpolitisches Monitoring eingeführt: Sozialpolitisch prekäre Regelungen und unbefriedigende behördliche Umsetzungen im Sozialwesen werden gesammelt und stellen die Grundlage für den «Armutspolitischen Dialog» mit Politikerinnen, Politikern und Behörden dar. 

Angebote und Projekte der Caritas Solothurn
Die Sozialberatung ist ein ökumenisches Angebot und wird getragen von der Römisch-Katholischen Synode des Kantons Solothurn, der Bezirkssynode Solothurn der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, der katholischen Kirchgemeinden Solothurn, Bettlach, Grenchen und Luterbach sowie von Caritas Solothurn. Weitere Kirchgemeinden sind eingeladen, sich ebenfalls zu beteiligen. 

Caritas übernimmt keine Aufgaben, die der Staat wahrnehmen muss. Menschen werden auf der Caritas-Sozialberatung unterstützt, um sich wieder im Leben zurechtzufinden, oder aber um zu ihren Rechten bei der staatlichen Sozialhilfe zu kommen. Eine grosse Herausforderung ist dabei die Integration von Menschen, die von Migration betroffen sind. 

Neben der Sozialberatung betreut die Caritas Solothurn zahlreiche Projekte: 

• Die KulturLegi ermöglicht aktuell 1682 Personen mit schmalem Budget vergünstigt an Angeboten aus den Bereichen Bildung, Kultur, Sport und Freizeit teilzunehmen. Es sind insbesondere Alleinerziehende, grosse Familien, Kinder und Jugendliche, die so weniger ausgegrenzt sind.

• Der Treffpunkt Olten bietet Asylsuchenden Deutschunterricht, Beratung und Spielmöglichkeiten. 15 Helfende unterstützen in rund 1300 freiwilligen Arbeitsstunden rund 30 Flüchtlinge sich hier zurechtzufinden. 

• Das Projekt «mit mir» vermittelt freiwillige Patinnen und Paten für Kinder zwischen 3 und 12 Jahren aus Familien in schwierigen Lebenssituationen. Die Freiwilligen nehmen sich ein- bis zweimal im Monat Zeit und schenken der Familie Aufmerksamkeit und Unterstützung. 

• Das Projekt Co-Pilot stellt Menschen mit Migrationshintergrund eine freiwillige Bezugsperson zur Seite. 54 Tandems sind so unterwegs und leisten Unterstützung, damit sich Migrantinnen und Migranten im Alltag selbstständig zurechtfinden können. 

• Der Caritasmarkt an der Baslerstrasse 19 in Olten ist ein besonderer Laden. Der Markt bietet Armutsbetroffenen eine günstige Einkaufsmöglichkeit und Lernenden mit schwierigen Startbedingungen einen Ausbildungsplatz. Der Secondhandladen im Obergeschoss richtet sich an alle, die preisgünstig einkaufen und damit die Caritasprojekte unterstützen möchten. Nebst der professionellen Ladenleitung leisteten im vergangenen Jahr 22 Freiwillige 3223 Arbeitsstunden im Ladenprojekt.  

Fabienne Notter ist neue Caritas-Geschäftsleiterin
Seit dem 1. März leitet Fabienne Notter die Geschäftsstelle der Caritas Solothurn. Sie wohnt in Solothurn und bringt einen breiten Erfahrungshorizont für die vielfältigen Aufgaben des christlichen Hilfswerks mit. Ursprünglich war sie Lehrerin und Erwachsenenbildnerin. Sie studierte dann Sozialanthropologie und spezialisierte sich im Bereich «Nonprofit and Public Management». Die letzten sieben Jahre hat sie in verschiedenen Führungsfunktionen im Flüchtlings- und Integrationsbereich gearbeitet. 

Sie ist Nachfolgerin der langjährigen Geschäftsleiterin Regula Kuhn-Somm und gleichzeitig auch Geschäftsleiterin von Caritas Aargau. Seit 2012 besteht eine Leistungsvereinbarung mit der Caritas Aargau für die gemeinsame Geschäftsstelle. Beide Kantonalverbände sind Mitglied bei Caritas Schweiz und Teil des weltweiten Caritas-Netzwerkes. 

Für Fabienne Notter ist die Diakonie, also der Dienst am Nächsten, eine zentrale Aufgabe aller Christen. Weil die Gesellschaft und die damit verbundenen sozialen Probleme immer komplexer werden, braucht die kirchliche Diakonie heute eine professionalisierte Ergänzung durch Fachleute. Das kann die Caritas leisten. Freiwillige Mitarbeitende werden durch die Caritas unterstützt und spielen nach wie vor eine sehr wichtige Rolle. In der Arbeit der Caritas gelingt es so, mit wenigen Mitteln eine grosse Wirkung zu erzielen. Durch freiwillige Mitarbeit bei einem Projekt oder durch die Mitgliedschaft im Verein Caritas Solothurn kann diese Arbeit unterstützt werden. Der Geschäftsleiterin ist es wichtig, dass durch das gemeinsame Engagement möglichst alle Menschen unabhängig von sozialer Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht und Religion am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.   

 

Fabienne Notter, neue Caritas-Geschäftsführerin.

 

Wollen Sie sich für armutsbetroffene Menschen engagieren?
Machen Sie als Freiwillige bei den Projekten der Caritas Solothurn mit. Werden Sie Mitglied oder Spender/-in bei Caritas Solothurn. 
www.caritas-solothurn.ch