Aktuelle Nummer 13 | 2018
10. Juni 2018 bis 23. Juni 2018

Aus Bibeln wurden Kraniche

Die Sieger des Wettbewerbs zu ausrangierten Bibeln stehen fest: Gewonnen hat eine Luzerner Pfarrei, die aus Bibelseiten Kraniche faltete. Auf dem zweiten Platz landete ein Kurzfilm, der zeigt, wie zu Stapeln gebündelte Bibeln als Altpapier abtransportiert werden. Eine Basler Schulklasse, die aus Bibelseiten Engel gestaltete, landete auf Platz drei.

"1000 Kraniche für den Frieden" heisst das Siegerprojekt des Wettbewerbs "bibelwerken", den das Schweizerische Katholische Bibelwerk im Juni gemeinsam mit dem Religionspädagogischen Institut der Universität Luzern lanciert hatte. Das Motto des Wettbewerbs lautete "transformiert statt ausrangiert".

1300 Kraniche aus Papier

Auf Initiative der Pastoralassistentin Simone Marchon gestalteten Mitglieder der Luzerner Pfarrei St. Maria zu Franziskanern aus den ausrangierten Bibelseiten Kraniche aus Papier. "Alte Gesangbücher und farbige Bögen mischten sich unter die Bibelkraniche", heisst es in der Mitteilung. Insgesamt seien mehr als 1300 Vögel entstanden. Die Wahl des Kranichs hänge mit einer japanischen Legende zusammen, der zufolge jemand, der 1000 Kraniche falte, einen Wunsch frei habe.

Für jeden eingegangenen Kranich spendete die Pfarrei laut Mitteilung einen Franken an die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen". Einige der Kraniche begleiteten Gottesdienste, andere seien zusammen mit einer Friedensbotschaft verschenkt worden.

Bibeln als Geschenke im Altpapier

Auf dem zweiten Platz landete laut Mitteilung ein Kurzfilm des Journalisten und Theologen Remo Wiegand, ebenfalls aus Luzern. Aus den Buchseiten von 18 alten Bibeln und aus Altpapierstapeln habe er zwölf mit Geschenkband verzierte Stapeln gemacht und diese an den Strassenrand gestellt. Sein Film mit dem Titel "Heimweg" zeigt, wie die Angestellten der Stadtreinigung Luzern an einem regnerischen Morgen auf das arrangierte Papier reagieren. "Wiegand thematisiert in nüchterner und bestechender Bildführung Geheimnis und Oberfläche im Umgang mit dem gedruckten Wort Gottes", heisst es dazu in der Mitteilung.

Himmlische Boten aus Bibelseiten

Auf den dritten Platz schaffte es ein Projekt der 8. Religionsunterrichtsklasse der Pfarrei Heiliggeist in Basel. Schülerinnen und Schüler gestalteten im Religionsunterricht von Christine Wittkowski ihren persönlichen Engel aus Bibelseitenmaterial. Jede dieser Botenfiguren greife eine biblische Geschichte auf, die den Schülerinnen und Schülern viel bedeute. "Die Transformation des Papiers brachte die ausgewählten Bibeltexte somit nochmals in neuer Form zum Sprechen", urteilte die Jury. Das Projekt sei ausserdem in einen Gottesdienst eingeflossen.

Der Wettbewerb war eine Reaktion auf die Lancierung der neuen Einheitsübersetzung der Bibel 2016. Es ging darum, auf konstruktive und kreative Weise die Frage auszuloten, was mit "Heiliger Schrift" geschehen könne, wenn sie nicht mehr gebraucht werde. Insgesamt wurden laut Mitteilung 16 Projekte eingereicht.

Katholische, reformierte, junge und alte Teilnehmende

Die Wettbewerbsverantwortlichen freuten sich über die Vielfalt an Ideen und Reflexionen zum Thema "Heilige Schrift". Es sei ausserdem gelungen, katholische und reformierte, ältere und jüngere Menschen zur Teilnahme zu bewegen. Der Wettbewerb habe zudem in Österreich Nachahmer gefunden: Das Österreichische Katholische Bibelwerk habe unter dem gleichen Motto einen Wettbewerb lanciert und nehme noch bis am 8. April Beiträge entgegen.

Die eingereichten Beiträge können auf der Website des Wettbewerbs begutachtet werden. Die fünfköpfige Jury honorierte den ersten Platz mit 500 Franken, den zweiten und dritten mit je 250 Franken. Mitglieder der Jury waren unter anderen die Theologinnen Veronika Bachmann, Dozentin am Religionspädagogischen Institut Luzern, und Katja Wissmiller, theologische Fachmitarbeiterin der Bibelpastoralen Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks. (sys)

transformiert statt ausrangiert