Aktuelle Nummer 9 | 2018
15. April 2018 bis 28. April 2018

Suche nach Frieden in Syrien

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. will gemeinsam mit Papst Franziskus für Frieden in Syrien werben. Das Moskauer Kirchenoberhaupt rief nach eigenen Angaben dazu am Samstag den Papst an.

Er habe mit Franziskus über mögliche kirchliche Initiativen gesprochen, um den Krieg in Syrien zu beenden und weitere Opfer zu vermeiden, sagte Kyrill I. am Samstagabend vor Journalisten.

Der Patriarch telefonierte demnach auch mit dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, und weiteren orthodoxen Kirchenführern. Damit reagiert Kyrill I. offenbar auf die jüngsten Angriffe des US-amerikanischen, britischen und französischen Militärs auf Ziele in Syrien nach einem mutmasslichen Giftgaseinsatz durch die syrische Armee.

Er führe einen «friedensstiftenden Dialog» ohne politische Interessen, betonte das russische Kirchenoberhaupt. «Ich bin zufrieden mit den Gesprächen.» Man sei sich einig gewesen, die Konsultationen fortzusetzen, um zu versuchen, die Lage zu beeinflussen.

Das Telefonat zwischen Kyrill I. und Franziskus fand nach Angaben eines Sprechers des Moskauer Patriarchats in einer «guten Atmosphäre» statt. Beide Kirchenoberhäupter waren sich zum ersten und bisher einzigen Mal im Februar 2016 auf Kuba begegnet. Es war das erste Treffen eines Papstes und eines Moskauer Patriarchen überhaupt. (kna)

Papst betet für Frieden in Syrien

Nach dem Militärschlag der USA, Frankreichs und Grossbritanniens gegen Syrien mehren sich Rufe nach einer friedlichen Lösung des Konflikts. Papst Franziskus zeigte sich am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz «tief beunruhigt». Er appellierte an die Verantwortlichen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Er bete weiter für den Frieden und bitte alle Menschen guten Willens, dies ebenfalls zu tun.

Als Reaktion auf einen syrischen Giftgas-Angriff auf die Stadt Duma vor einer Woche hatten die drei westlichen Militärmächte am frühen Samstagmorgen ein chemisches Forschungslabor bei Damaskus, eine Giftgas-Lagerstätte bei Homs sowie einen Kommandoposten bei Aleppo aus der Luft angegriffen.

"Jetzt bekämpfen sich die Hauptakteure"

In Syrien und den Nachbarstaaten mehren sich unterdessen Befürchtungen, wonach sich die Situation weiter zuspitzen könnte. «Erst war es nur ein Stellvertreterkrieg. Jetzt bekämpfen sich die Hauptakteure», kommentierte der für das syrische Aleppo zuständige katholische Bischof Georges Abou Khazen die Lage.

In Israel warnen Beobachter vor möglichen Vergeltungsschlägen. Die Reaktion auf die Militärschläge der drei westlichen Mächte fiel vergleichsweise zurückhaltend aus. Zustimmung kam allerdings von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Damit sei die nach früheren syrischen Giftgas-Einsätzen angekündigte rote Linie durchgesetzt worden. (kna)