Aktuelle Nummer 21 | 22 | 2022
09. Oktober 2022 bis 05. November 2022

Editorial

Freude und Kraft statt ­Tunnelblick und Trübsinn

Die heutige Zeit in Kirche und Welt macht es uns Menschen nicht einfach. Wir erleben politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, sozial und kirchlich gewaltige Umbrüche. Frühere Gewissheiten und Sicherheiten pulverisieren sich, und wohin das Neue führen wird, ist noch nicht absehbar.

Umso wichtiger ist es, die Augen offenzuhalten und kritisch zu beurteilen, was hilft und was schadet, um danach das Richtige auszuwählen. Gerade in den ruhigeren Sommerzeiten lohnt es sich, bewusst innezuhalten und sich genauer zu fragen: Wo stehe ich? Wozu bin ich da? Wohin will ich? Was will ich nicht!

Genauso wichtig ist die Frage: Wo finde ich Ruhe und Klarheit? Was hilft mir, diese Ruhe in der Unruhe zu finden? Wo kann ich Kraft tanken, ausruhen, um Halt zu finden und weitergehen zu können?

Heute prasseln so viele Informationen und Meinungen auf uns ein, dass die Gefahr gross ist, dass wir den Blick für das Wesentliche und Wichtige verlieren. Was kann helfen, die gute Mitte zu finden, wo man einerseits den Problemen nicht aus dem Wege geht, sich aber von ihnen nicht überwältigen lässt?

Das ist gegenwärtig gerade angesichts der in einigen Ländern erschreckend hohen Fallzahlen, was den sexuellen Missbrauch in der Kirche betrifft, nicht einfach. Es ist richtig und wichtig, dass in der kirchlichen Missbrauchskrise endlich die Opfer geschützt, die Täter zur Rechenschaft gezogen und auch systemische Gegenmassnahmen getroffen werden. Hier wurde schon etliches getan, aber es steht noch einiges an.

Aber es wäre falsch und ungerecht, die Kirche, um bei diesem Beispiel zu bleiben, nur auf die Missbrauchs­problematik zu reduzieren. Das wäre ein Schlag gegen die ganz grosse Mehrheit von Amtsträgerinnen und Amtsträgern und Gläubigen, die sich nichts zuschulden kommen lassen und sich uneigennützig und ohne Falsch für die Kirche, für den christlichen Glauben und für die Menschen einsetzen.

Nutzen wir die ruhigeren Tage, den häufigen Tunnelblick abzustreifen und nicht zu resignieren, sondern die Mitte zu suchen, die Mitte in Jesus Christus.

Ich wünsche Ihnen erholsame, kräftigende und schöne Sommertage. Passen Sie gut auf sich auf!